Presse


Nümbrechter Chefarzt will Situation von Contergan-Opfern verbessern
(Red/12.04.2016-13:50)

Nümbrecht - Aktuelle Studie zur Lebenssituation der Betroffenen stand unter Leitung von Prof. Dr. Klaus M. Peters von der Rhein-Sieg-Klinik und zeigt, dass NRW vor großen Herausforderungen steht.

„Wir müssen dringend etwas tun, um die Contergan-Geschädigten besser versorgen zu können“, betont Prof. Klaus M. Peters, Chefarzt Orthopädie und Osteologie in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik. Seit über 15 Jahren behandelt er Patienten in der Nümbrechter Rehaklinik, die erhebliche körperliche Schädigungen durch Contergan erlitten haben, und bietet eine Spezialsprechstunde für Betroffene an. „Dabei haben wir immer wieder festgestellt, dass diese Menschen zunehmend unter Folgeschäden wie Rücken- oder Nackenschmerzen und psychischen Beschwerden leiden.“

In einer 2011 vom Landeszentrum Gesundheit NRW in Auftrag gegebenen Studie unter Leitung von Prof. Peters bestätigte sich diese Beobachtung. Über 200 Teilnehmer - und damit jeder vierte Conterganbetroffene aus Nordrhein-Westfalen - beteiligten sich an der Studie. „Mit Besorgnis haben wir festgestellt, dass die körperliche und psychische Gesundheit und damit auch die Lebensqualität von Erkrankten beständig sinken und die Pflegebedürftigkeit zunimmt. Auf diese Probleme ist das medizinische Versorgungssystem in NRW nicht vorbereitet“, warnt Prof. Peters. Um die Betroffenen, die heute im Schnitt 54 Jahre alt sind, auch im Alter angemessen versorgen zu können, müsse jetzt dringend etwas geschehen.

Das bestätigte auch Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, in Ihrem Vortrag. Damit die Betroffenen weiterhin am Arbeitsleben partizipieren und selbständig leben könnten, seien konkrete Versorgungsmaßnahmen notwendig. Wie auch Prof. Peters betrachtet sie die Errichtung eines medizinischen Kompetenzzentrums als wichtigen Schritt für eine bedarfsgerechte Versorgung der Contergan-Geschädigten.

„In einem Medizinischen Kompetenzzentrum wollen wir die Kompetenzen zur Behandlung bündeln und für eine Verbesserung des Versorgungsangebots sorgen“, erklärt Prof. Peters. So sollen zum Beispiel regelmäßige Untersuchungen der Folgeschäden, Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen angeboten werden. Auch Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen für Ärzte und Therapeuten sind geplant. „Bei uns in der Rhein-Sieg-Klinik haben wir mit solchen Schulungen gute Erfahrungen gemacht, um unseren Mitarbeitern mehr Sicherheit im Umgang mit Contergan-Patienten zu ermöglichen“, erklärt der Chefarzt. Für ein möglichst selbständiges Leben im Alter seien alternative Wohnformen wie generationsübergreifende Wohnquartiere ein Lösungsansatz.

Für die Querschnittsstudie zur Lebenssituation von Contergan-Opfern in Nordrhein-Westfalen wurde studienbegleitend ein Peer-to-Peer-Projekt eingerichtet. „Das bedeutet, dass Contergan-Betroffene, die an der Studie teilgenommen haben, andere Betroffene bei ihrer Studienteilnahme begleitet und unterstützt haben“, erklärt Udo Herterich, 1. Vorsitzender des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW e. V. Da das Projekt so erfolgreich verlief, wurde es nach Studienabschluss in ein Beratungsangebot von Betroffenen für Betroffene umgewandelt.

Interessierte können die Studie herunterladen: www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/gesundheit/contergangeschaedigte-Abschlussbericht.pdf





Kölner Verwaltungsgericht Conterganstiftung muss für Boxspringbett zahlen
Köln - 12.11.2015

Mit ihrer Klage gegen die Conterganstiftung hat Christiane Ortel Erfolg gehabt. Gestern hat das Kölner Verwaltungsgericht entschieden, dass der 53-jährigen Schwerbehinderten die Kosten für die Anschaffung eines Boxspringbetts in Höhe von 5100 Euro erstattet werden.

Wegen Rückenschmerzen und Verspannungen, die von starken Belastungen der Wirbelsäule herrühren, hatte der Hausarzt der Klägerin das elektrisch verstellbare Bett verordnet. Die Krankenkasse wollte es nicht bezahlen, also wandte Christiane Ortel sich an die Stiftung. Diese lehnte den Antrag ab mit der Begründung, das Bett sei kein Hilfsmittel im Sinne des Conterganstiftungsgesetzes, sondern ein Möbelstück, das als Gebrauchsgegenstand jedermann nützlich sei.
„Spezifischer Bedarf“

Das Gericht ist dagegen der Auffassung, dass sich die im Stiftungsgesetz genannten „spezifischen Bedarfe“ nicht nur auf rein medizinische Hilfen wie Therapien und Arzneimittel beziehen, sondern auch auf Hilfen zur Bewältigung des Alltags. Zwar gelte der Grundsatz der sparsamen Verwendung öffentlicher Mittel; die Einzelfallprüfung falle aber zugunsten der Klägerin aus, weil sich das Bett exakt auf ihre Bedürfnisse als Behinderter einstellen lasse. (cs)



Bundestag berät Gesetzesänderung                                                          Eine kleine Wiedergutmachung für Contergan-Opfer


09.04.2013

Von Silvia Stöber, tagesschau.de
Mehr als 50 Jahre ist es her, dass das Unternehmen Grünenthal mit dem Medikament Contergan großes Leid auslöste. Die Opfer müssen heute nicht nur mit den Fehlbildungen, sondern altersbedingt auch mit Folgeschäden zurechtkommen. Nun sollen sie mehr Geld bekommen, vom Bund, nicht von Grünenthal. So sieht es ein Gesetzentwurf vor, der im Bundestag in erster Lesung diskutiert wurde.

1957 kam das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan rezeptfrei auf den Markt. Auch Schwangere durften es gegen Übelkeit einnehmen. Doch weltweit mehr als 10.000 Kinder, 5000 in Deutschland, wurden mit Schädigungen und schweren Fehlbildungen geboren, nachdem es ihre Mütter in der Schwangerschaft eingenommen hatten.

Die Contergan-Geschädigten sind inzwischen älter als 50. Sie leiden nicht mehr nur an den Fehlbildungen. Hinzugekommen sind auch Folgeschäden an Gelenken und Gliedmaßen oder Zähnen, die sie beispielsweise anstelle fehlender Arme verwenden und übermäßig beanspruchen müssen. Viele der Geschädigten leiden deshalb an zumeist chronischen Schmerzen.

Eine Studie des Gerontologischen Instituts der Universität Heidelberg ergab, dass jedes dritte Opfer inzwischen nicht mehr arbeiten kann. Aufgrund der zunehmenden Beschwerden bräuchten die Betroffenen aber zugleich teure Hilfsmittel oder auch Umbauten in ihren Wohnungen. Hinzu komme die Sorge davor, zunehmend von anderen abhängig zu werden und nicht mehr mobil zu sein.
Geld für ein selbstbestimmtes Leben


Maximal 1152 Euro Rente monatlich aus der Contergan-Stiftung erhalten die Geschädigten in Deutschland derzeit. Betroffen sind etwa 2700 Menschen. Geschädigten-Verbände wie das Contergan-Netzwerk Deutschland beklagen, die Rente reiche nicht ansatzweise für ein menschenwürdiges Dasein aus. Viele Betroffene lebten am Rande des Existenzminimums. Sie bräuchten Geld zum Leben, für Heil- und Hilfsmittel sowie für Assistenz. Die Geschädigten fordern genug Geld, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Ihre Wut richtet sich nach wie vor gegen den Contergan-Hersteller Grünenthal. Der nahm das Medikament 1961 vom Markt, nachdem Forscher den Zusammenhang zwischen der Einnahme des Medikaments und den Fehlbildungen gefunden hatten.

1968 mussten sich sieben leitende Angestellte und weitere Mitarbeiter vor dem Landgericht Aachen verantworten. Der Prozess wurde jedoch Ende 1970 wegen geringfügiger Schuld und aufgrund mangelnden öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung eingestellt, wie es zur Begründung hieß.
Keine Ansprüche mehr gegen Grünenthal

Es kam zu einem Vergleich zwischen Klägern und Beklagten. Grünenthal musste 100 Millionen Mark bereitstellen. Ansonsten übernahm der Bund die finanzielle Versorgung der Contergan-Geschädigten. Sie wird über die Conterganstiftung für behinderte Menschen" abgewickelt. In diese Stiftung flossen auch die Gelder von Grünenthal.


Im Zuge der außergerichtlichen Einigung wurden auch die zivilgerichtlichen Verfahren gegen Grünenthal eingestellt. Schadenersatz- oder Schmerzensgeldforderungen gegen das Unternehmen sind so nicht mehr möglich.

2008 kündigte Grünenthal eine weitere Zahlung von 50 Millionen Euro in die Contergan-Stiftung an. Seit 2009 werden daraus jährlich Sonderzahlungen an die Geschädigten geleistet. Im vergangenen Sommer bat das Pharma-Unternehmen die Opfer erstmals um Entschuldigung. Geschäftsführer Harald Stock bedauerte das lange Schweigen. Doch eine höhere Entschädigung lehnte er weiter ab.

So sind es Verwandte, Freunde und die Allgemeinheit, die für die Kosten aufkommen, die Grünenthal nicht zahlt. Andreas Meyer, der Vorsitzende des Bundes Contergan-Geschädigter, erklärte im Deutschlandfunk, warum seiner Meinung nach Grünenthal nicht stärker zur Verantwortung gezogen wurde und wird: "Es sollte für alle Zeit ein Präzedenz-Fall verhindert werden - ein Präzedenzfall, bei dem ein pharmazeutisches Unternehmen oder die Industrie in die Pflicht genommen werden für sämtliche Schäden, die sie verursacht haben."
Der Bund zahlt

Die Verbände der Contergan-Geschädigten gaben jedoch nicht auf und richteten ihre Forderungen verstärkt an die Politik. Schon 2008 und 2009 erkämpften sie Änderungen am Conterganstiftungsgesetz und eine Erhöhung der Renten.

Am 1. Februar beriet der Familienausschuss des Bundestag in einer Anhörung über die erwähnte Studie zur Lebenssituation Contergangeschädigter Menschen der Universität Heidelberg. 150 Betroffene reisten zu der Veranstaltung, einige von ihnen kamen zu Wort und schilderten ihre schwierigen Lebenssumstände. Einen Tag vor der Anhörung hatte die Bundesregierung angekündigt, 120 Millionen Euro für die Geschädigten zur Verfügung zu stellen.
Eine "kleine Revolution"

Der dazu vorliegende Gesetzentwurf, der gemeinsam von Union, FDP und SPD eingebracht und in erster Lesung im Bundestag diskutiert wurde, sieht 90 Millionen Euro jährlich zur Aufstockung der Renten vor. Der Höchstsatz steigt damit von 1152 Euro auf 6912 Euro. Die Erhöhung soll rückwirkend zum 1. Januar gültig werden. Weitere 30 Millionen Euro sollen jährlich für zusätzliche medizinische Leistungen, zum Beispiel für Zahnersatz, bereitgestellt werden.


Das Contergannetzwerk Deutschland spricht von einer "kleinen Revolution". Mit diesem Schritt könnten die Contergan-Geschädigten ihren Frieden mit dem Staat machen, teilte deren Vorsitzender Christian Stürmer mit. Schließlich sei es ein Bundesgesetz gewesen, das alle Ansprüche an die Firma Grünenthal zum Erlöschen gebracht habe. Über Jahrzehnte hätten sich deshalb die Betroffenen an die Sozialkassen wenden müssen.

Der Bundesverband Conterganschädigter nannte die Entscheidung der Bundesregierung zur Bereitstellung der 120 Millionen Euro jährlich etwas weniger enthusiastisch "einen weiteren Schritt in die richtige Richtung". Er drängt unter anderem darauf, dass bei Beantragung sozialrechtlicher Leistungen Einkommen und Vermögen des Geschädigten, der direkten Verwandten und Mitbewohner außer Betracht bleiben.

Offen bleibt nach wie vor die finanzielle Verantwortung von Grünenthal. Der Behinderten-Beauftragte der Bundestagsfraktion der Linkspartei, Ilja Seifert, will auch dabei nicht lockerlassen. Er fordert unter anderem, dass der Konzern jährlich 20 bis 30 Prozent seines Gewinns an die Opfer ausschüttet.


Grüne fordern für Contergan-Opfer mehr Mitbestimmung
14.03.2013

Berlin. Die Grünen haben für die Opfer des Contergan-Skandals mehr Mitbestimmung angemahnt. Sie sollen in der Contergan-Stiftung stärker als bisher mitwirken. Zugleich kritisieren sie den Gesetzentwurf von Union, SPD und FDP, der eine deutliche Aufstockung der Hilfsmittel vorsieht, als unzureichend.
Höhere Renten für Opfer

Bis zur Sommerpause will der Bundestag durchsetzen, dass die 2700 noch lebenden Opfer - rund 800 davon in NRW - finanziell deutlich besser gestellt werden. Das Parlament, das heute darüber berät, will 90 Mio. Euro bereitstellen, um die Renten zu erhöhen. Sie sollen von derzeit maximal 1152 Euro auf bis zu 6912 Euro steigen. Hinzu kommen weitere 30 Mio. für so genannte spezifische Bedarfe. „Damit können die Betroffenen ohne aufwändige Einzelfallprüfung ihre Zusatzbedarfe decken“, sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU, Dorothee Bär. Damit ist zum Beispiel die Finanzierung von häuslicher Pflege, Zahnersatz oder der behindertengerechte Umbau eines Autos gemeint.

Kritisiert wird aber, dass die kostenintensive Pflege im Gesetzentwurf nicht explizit als Sonderbedarf genannt wird und somit unter Umständen privat von den Renten bezahlt werden müsste. Die SPD-Fraktion, die den Entwurf anfangs nicht mittragen wollte, will nun ebenfalls Änderungsanträge stellen, um für mehr Transparenz und weniger Bürokratie bei der Bewilligung der Mittel zu sorgen.

In der Vergangenheit soll es zu Unstimmigkeiten zwischen Geschädigten und dem Stiftungsvorstand gekommen sein, der die Mittel vergibt. Sollten die 30 Mio. Euro nicht ausreichen, müsse man nachbessern, sagte Marlene Rupprecht (SPD), Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.  


SÜDDEUTSCHE

Medikamentenskandal um Firma Grünenthal Contergan-Hersteller entschuldigt sich erstmals bei Opfern

31.08.2012, 17:25

Spätes Schuldeingeständnis: Bei der Einweihung eines Contergan-Denkmals hat der Pharmakonzern Grünenthal die Opfer des Medikamentenskandals erstmals direkt um Verzeihung gebeten. Durch das Schlafmittel waren vor 50 Jahren Tausende Kinder mit Missbildungen geboren worden.




Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat sich erstmals bei den Opfern des Arzneimittelskandals entschuldigt. Bei der Einweihungsfeier des ersten Denkmals für die weltweit 10.000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei. "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen."
Umstrittenes Contergan-Denkmal enthuellt Bild vergrößern

In Stolberg bei Aachen, dem Gründungsort des Pharmakonzerns Grünenthal, wurde an diesem Freitag ein Denkmal für die Tausenden Contergangeschädigten eingeweiht. Die Betroffenen kritisierten die Skulptur jedoch als "medienwirksamen Coup". (© dapd)

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die "Tragödie" zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie explizit entschuldigt.

Vor der Präsentation des Denkmals in Stolberg hatte sich der Bundesverband Contergangeschädigter kritisch geäußert: "Für uns ist klar, dass es für die Firma Grünenthal eine günstige PR-Maßnahme ist", sagte eine Sprecherin. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro für das Denkmal hatte der Pharmakonzern übernommen. Es gebe genügend Dinge, die das Unternehmen für Contergangeschädigte tun könne. "Stattdessen entscheidet es sich für einen medienwirksamen Coup", monierte die Sprecherin.

Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tausende schwangere Frauen hatten vor mehr als 50 Jahren nach der Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Schlafmittels Kinder mit Fehlbildungen geboren. Weltweit kamen etwa 10.000 Säuglinge mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es etwa 5000.

1961 zog Grünenthal das Medikament zurück. Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente. Die etwa 2400 noch in Deutschland lebenden Opfer sind inzwischen 50 Jahre und älter.

Als Folge des Skandals hat die Bundesrepublik Deutschland eines der strengsten Arzneimittelgesetze der Welt.


Nachrichten für Thüringen – OTZ 

Australisches Contergan-Opfer erzielt Millionen-Vergleich
Im Prozess gegen mehrere Pharmaunternehmen ist einem australischen Contergan-Opfer eine mehrfache Millionensumme zugesprochen worden.
Im Prozess gegen mehrere Pharmaunternehmen ist einem australischen Contergan-Opfer eine mehrfache Millionensumme zugesprochen worden. Es sei ein Vergleich erzielt worden, dessen Summe vertraulich behandelt werde, erklärten die Anwälte der 50-jährigen Lynette Rowe am Mittwoch vor dem Obersten Gerichtshof im Bundesstaat Victoria. Der Betrag reiche aus, um die ohne Arme und Beine geborene Frau für den Rest ihres Lebens gut zu versorgen.

Der Vergleich wurde demnach mit dem Pharmakonzern Diageo getroffen, der Nachfolgegesellschaft der britischen Vertreiberfirma Distillers. An der Sammelklage sind zahlreiche weitere Opfer beteiligt, die mit Missbildungen zur Welt kamen, nachdem ihre Mütter während der Schwangerschaft ein Mittel mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid eingenommen hatten. Nach Angaben von Rowes Anwälten will Diageo auch mit anderen Klägern einen Vergleich erzielen. Bei der Bekanntgabe der Einigung brach Rowe in Tränen aus. Ihr Fall zeige, "dass man keine Arme und Beine braucht, um die Welt zu verändern," sagte sie.

Die Klage richtet sich auch gegen das deutsche Pharmaunternehmen Grünenthal. Der Prozess läuft derzeit noch, eine Anhörung ist für Oktober geplant. Rowes Anwälte wollen diese jedoch auf August 2013 verschieben, um Vergleichsverhandlungen zu ermöglichen und weiteren Geschädigten die Möglichkeit zu geben, sich an der Klage zu beteiligen. Rowes Anwalt Michael Magazanik warf Grünenthal vor, mehrfach versucht zu haben, den Fall zu behindern und sich nun "geweigert" zu haben, sich an dem Vergleich zu beteiligen.

Grünenthal kündigte an, sich dem Gerichtsverfahren stellen zu wollen. Er bedauere die "Konsequenzen der Thalidomid-Tragödie", sei aber davon überzeugt, bei "Entwicklung des Medikaments" alle damaligen Standards eingehalten zu haben, erklärte der deutsche Arzneimittelhersteller.

In Deutschland war das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan von 1957 bis 1961 rezeptfrei vertrieben worden. Sein Wirkstoff Thalidomid führte weltweit bei insgesamt bis zu 12.000 Kindern, davon rund 5000 in Deutschland, zu dauerhaften Schädigungen wie schwerwiegende Fehlbildungen von Armen und Beinen.

18.07.12 / AFP
http://www.otz.de/Australisches-Contergan-Opfer-erzielt-Millionen-Vergleich




Pressemitteilung                               des Vorstandes vom 27.06.2012 : Conterganskandal ohne Ende!  siehe unter aktuelles



Contergan-Opfer stärker geschädigt als bekannt

Eine unveröffentlichte Studie offenbart bisher unbekannte körperliche Schäden bei Contergan-Opfern. Ein großer Teil der 2700 deutschen Geschädigten kann sich therapeutische Behandlungen kaum leisten. Von Anette Dowideit 

Die Gerüchte kursierten seit langem bei den Contergan-Geschädigten: Von Operationen, bei denen die Patienten verblutet seien, war die Rede; von versehentlich durchtrennten Nervenbahnen; von Patienten, denen kein Blut abgenommen werden konnte oder bei denen der Pulsschlag nicht an der typischen Stelle zu ertasten war. Alles Hinweise darauf, dass die Blut- und Nervenbahnen von Contergan-Geschädigten anders verlaufen als die anderer Menschen. Für die Betroffenen würde das bei jedem chirurgischen Eingriff ein erhebliches Risiko darstellen.
Nun scheint sich dieser Verdacht zu erhärten. Die von den Auftraggebern unter Verschluss gehaltenen Zwischenergebnisse einer Studie der Universität Heidelberg legen nach Informationen der "Welt am Sonntag" nahe, dass die untypisch angelegten Gefäßsysteme eine weitere, bisher noch nicht medizinisch anerkannte Folge von Contergan sind.
"Fest steht, dass diese Schädigung noch nicht bekannt war, als die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die finanzielle Kompensation der Betroffenen festgelegt wurden", sagt Christina Ding-Greiner vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg

© Welt/Axel Springer Archiv/Axel Springer Archiv So schrieb die WELT am 26. November 1961 

Stärker eingeschränkt als bislang bekannt
Nach Informationen von "Welt Online" könnte die Erkenntnis, dass die Betroffenen offenbar noch stärker eingeschränkt sind als bisher bekannt, dazu führen, dass ein neues Gesetz auf den Weg gebracht wird – und die Bundesregierung den Contergan-Opfern höhere Kompensationen als bislang zahlen muss. Das bestätigte das Familienministerium auf Anfrage.
"Ob und wenn ja welche Teile der Studie Grundlage eines neuen Gesetzes werden, steht derzeit noch nicht fest", heißt es im Haus von Ministerin Kristina Schröder (CDU). Über mögliche zusätzliche Gelder des Bundes für die Geschädigten müsse der Bundestag entscheiden.
Ein neuer Gesetzentwurf könnte bereits am kommenden Mittwoch ins Rollen kommen. Dann nämlich werden erste Zwischenergebnisse den Bundestagsabgeordneten im Familienausschuss in einer nicht öffentlichen Sitzung vorgestellt. Es gilt im Parlament als wahrscheinlich, dass die Abgeordneten im Anschluss daran ein neues Änderungsgesetz zum bestehenden Gesetz über die Entschädigungszahlungen, das Conterganstiftungsgesetz, auf den Weg bringen werden.

Schwere Fehlbildungen bei Föten
Der Fall Contergan Anfang der 60er-Jahre war einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik. Das millionenfach verkaufte Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid war bis Ende der 50er-Jahre rezeptfrei erhältlich und wurde gezielt als Beruhigungsmittel für Schwangere vertrieben. Jahre später stellte sich heraus, dass es zu schweren Fehlbildungen bei den Föten kommen konnte. Weltweit wurden als Folge der Contergan-Einnahme nach Schätzungen von Betroffenenverbänden mindestens 5000 Babys mit Fehlbildungen geboren.
Das Pharmaunternehmen Grünenthal aus Stolberg bei Aachen, von dem das verhängnisvolle Mittel stammte, muss allerdings wohl keine zusätzlichen Schadenersatzansprüche befürchten. Für die lebenslange Versorgung der rund 2700 in Deutschland noch lebenden Contergan-Geschädigten ist allein die Bundesregierung verantwortlich.
Hintergrund für diese Regelung ist eine Einigung aus den 70er-Jahren. Damals schlossen die Eltern der Kinder, die mit Missbildungen auf die Welt gekommen waren, nach einem zweijährigen Gerichtsprozess einen Kompromiss mit Grünenthal: Das Unternehmen verpflichtete sich, 100 Millionen Mark in die Stiftung Hilfswerk für behinderte Kinder, später umbenannt in Conterganstiftung, einzuzahlen. Im Gegenzug stimmten die Eltern zu, auf alle weiteren Klagen zu verzichten.

http://www.welt.de Contergan-Opfer-staerker-geschaedigt-als-bekannt


alte Pressemitteilungen:

Presseerklärung / Stellungnahme am 07.04.2013


„Zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen aus dem Forschungsprojekt „Wiederholt durchzuführende Befragungen zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen" ist zur Sicherstellung einer angemessenen und zukunftsorientierten Unterstützung der contergangeschädigten Menschen zudem rückwirkend ab 1. Januar 2013 eine Erhöhung der monatlichen Conterganrenten von derzeit maximal 1.152 Euro auf maximal 6.912 Euro vorgesehen. Damit sollen insbesondere auch die Folgeschäden und die Kosten für die persönliche Assistenz pauschal abgegolten werden.“ (Zitat: Gesetzentwurf S. 15)
Der Gesetzentwurf sieht eine Rentenerhöhung vor, die Folgeschäden und Assistenz pauschal nach
der Höhe der Punktzahl für die Ursprungsschäden staffelt. Eine individuelle Begutachtung der
Folgeschäden ist nicht vorgesehen.

Hierbei geben wir zu bedenken, dass Folgeschäden jedoch zu gleichen Mobilitätseinschränkungen
und ähnlichem Assistenzbedarf führen können wie bei Betroffenen mit hohen Schadenspunkten.
Conterganbetroffene mit einer relativ niedrigen Punktzahl für die Ursprungsschäden aber dennoch
massiven Folgeschäden wie z.B. schwerer Arthrose durch Fehl- und Überbelastung der Gelenke
bzw. der Wirbelsäule, die sich bei einigen bereits vor über 20 Jahren manifestierte, blieben mit der
angedachten Pauschallösung weiterhin deutlich unterversorgt.

Zur „Sicherstellung einer angemessenen und zukunftsorientierten Unterstützung der contergangeschädigten Menschen“ schließen wir uns daher Aussagen von Prof. Peters an und empfehlen neben der im Gesetzentwurf formulierten Pauschallösung dringend die Möglichkeit einer individuellen Bewertung der Folgeschäden, da starke Schmerzzustände aufgrund degenerativer Verschleißerscheinungen häufig in den niedriger bepunkteten Schadensgruppen zu finden sind.
Diese Vorgehensweise ist u.E. insbesondere auch im Hinblick auf den von allen Beteiligten
angestrebten Rechtsfrieden zu empfehlen.

Die weiterhin vorgesehene Deckelung bei 100 Punkten stellt aus unserer Sicht kein Hindernis dar,
eine individuelle Bewertung der Folgeschäden auf Antrag zu gewähren. Wir können keine
Benachteiligung der vorgeburtlich Schwerbetroffenen erkennen, denn im Ergebnis sind die
Einschränkungen für den jeweils Betroffenen immer gleich gravierend, egal ob sie nun durch einen
Ursprungsschaden oder durch einen Folgeschaden hervorgerufen wurden. Wir betrachten es als
selbstverständlichen Akt der Solidarität untereinander, wenn dem durch Folgeschäden Betroffenen
ebenfalls die finanziellen Mittel zur Sicherung der Assistenz und Wahrung eines selbstbestimmten
Lebens in Würde zur Verfügung gestellt werden.

Berlin, den 07.04.2013
Anke Steinbrügge und Christiane Rohne

Stellungnahme zum Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Conterganstiftungsgesetzes
(3. ContStifG) Themen- bzw. Regelungsbereich Folgeschäden





Pressemitteilung des Vorstandes vom 02.09.2012:




Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei die Pressemitteilung des Conterganverbandes Berlin Brandenburg
anlässlich der vermeintlichen Entschuldigung der Fa. Grünenthal gegenüber den Conterganopfern.
Entschuldigung?
Die vom Pharmakonzern Grünenthal ausgesprochene Entschuldigung gegenüber den Opfern hat mit der längst überfälligen Entschuldigung für die von Grünenthal verursachte Contergankatastrophe und dem damit verbundenen unsäglichen Leid der Opfer nichts zu tun. Die Entschuldigung galt offensichtlich lediglich der unerträglichen Gesprächskultur, die der Konzern gegenüber seinen Opfern pflegte.
Bei der Einweihung des Contergan-Denkmals in Stolberg am Freitag sagte der Grünenthal- Geschäftsführer Harald Stock: "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Mensch zu Mensch gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen und das tut uns sehr leid".
Kein Wort der Entschuldigung dafür, dass das andauernde Leid tausenden von Opfer hätte erspart bleiben können, hätte die Fa. Grünenthal auf die mannigfachen Warnungen gehört und das damalige Schlaf- und Beruhigungsmittel frühzeitig vom Markt genommen.
Kein Wort der Entschuldigung gegenüber den Betroffenen und Angehörigen, die immer noch unter den physischen, psychischen und finanziellen Schäden leiden und denen keine gerechte Entschädigung zugesprochen wurde. Die Herstellerfirma Grünenthal entzieht sich immer noch ihrer Verantwortung.
Kein Wort der Entschuldigung gegenüber der Gesellschaft, auf die der finanzielle Schaden, der durch die fahrlässige Betriebspolitik der Herstellerfirma verursacht wurde, heute abgewälzt wird.
Die angebliche Entschuldigung gegenüber den Opfern „nicht den Weg zu ihnen gefunden zu haben“, erscheint vor dem tatsächlichen Hintergrund des eigentlichen Skandals perfide und wie eine Farce.
Bleibt zu hoffen, dass das erwähnte Schweigen, das der Herstellerfirma angeblich so leid tut, nunmehr gebrochen wird, die Wahrheiten endlich klar und deutlich ausgesprochen werden und den Worten angemessene Taten folgen.




Pressemitteilung des Vorstandes vom 27.06.2012:

Der Conterganverband Berlin-Brandenburg e.V. bemängelt den fortwährenden verschleiernden Umgang mit neuesten und sehr brisanten Erkenntnissen über lebensbedrohliche Spätfolgen infolge von Contergan (s. Artikel „Contergan und die Spätfolgen“ in der Welt am Sonntag 24.06.12, siehe unter Presse). Demnach haben sich langjährige Vermutungen über die Tatsache, dass bei vielen von uns die Blut- und Nervenbahnen anders verlaufen und eine weitere Schädigung durch Contergan darstellen, wissenschaftlich erhärtet.

Schon 1961 wurde die Öffentlichkeit erst durch den in derselben Zeitung erschienenen Artikel „Missgeburten durch Tabletten - ein alarmierender Verdacht“ über die fatalen Wirkungen von Contergan informiert und gewarnt.

Für den Conterganverband Berlin-Brandenburg e.V. wiederholt sich diese Verschleierung. Denn bis heute wurden wir weder von der Conterganstiftung noch von einer anderen offiziellen Seite über diese fatalen Ergebnisse aufgeklärt. Hinter verschlossenen Türen wurden in der heutigen nicht öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend diese hochbrisanten Ergebnisse aus der Längsschnittstudie zur Lebenssituation Contergangeschädigter näher erläutert. Uns nicht offiziell darüber zu informieren, dass bei vielen Contergangeschädigten Blut- und Nervenbahnen anders verlaufen, bedeutet, uns bei eventuellen und unvorgesehenen kurzfristig notwendigen Operationen ungeschützt " ins offene Messer laufen zu lassen". Die Fürsorgepflicht uns gegenüber wird ignoriert. Wer informiert unsere Ärzte? Für uns, so der Conterganverband Berlin-Brandenburg e.V., stellt dieses Vorgehen die fortgesetzte aktive Geheimhaltungspolitik über Conterganschäden gestern und heute dar.

Wir konstatieren, lebensrettende Informationen werden uns erneut vorenthalten.

Dahinter steckt die Angst der Bundesregierung vor weiteren finanziellen Verpflichtungsleistungen und der Conterganherstellerfirma Grünenthal, das prosperierende Unternehmen der Familie Wirtz, vor erneuter öffentlicher Empörung, dass sie uns nie nach zivilrechtlichen Maßstäben entschädigten. 50 Jahre nach Contergan werden wir immer noch in unwürdiger und unser Leben bedrohender Bittstellerposition gehalten.

Wie lange noch?

der Vorstand